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Warst du schon in Bethlehem?

Die Gedanken in diesen Tagen gehen besonders ins hl. Land, dorthin, wo Weihnachten entstanden ist. In Bethlehem feiern normalerweise viele Pilger, aber derzeit verhindert der Krieg ein Wallfahren an die hl. Stätten. 

Leo Tolstoi erzählt einmal eine Pilgergeschichte von zwei alten Männern, die ins hl. Land aufbrechen:

Viele russische Bauern des 19. Jahrhunderts träumten davon, nach der Hofübergabe endlich Zeit für eine Pilgerreise ins gelobte Land zu haben. So machten sich einmal zwei alte Freunde auf den Weg. 

Unvorstellbar lange Strecken müssen sie zu Fuß zurücklegen. Als sie bereits wochenlang unterwegs sind, macht sich einer der beiden auf die Suche nach einem Brunnen, um seine Wasserflasche zu füllen. Der andere lässt sich inzwischen am Wegesrand nieder und schläft ein. Als er aufwacht, ist sein Freund immer noch nicht zurückgekehrt. Er vermutet, dass der andere ihn wohl im Schatten der Bäume nicht gesehen habe und an ihm vorbeigegangen sei. So geht er ihm nach. Aber auch im nächsten Dorf trifft er ihn nicht; der Mann beruhigt sich mit der Hoffnung, ihn am Hafen zu sehen. Aber auch da wartet er vergeblich, sein Freund kommt nicht. Schließlich läuft sein Schiff ein und er kommt nach der Überfahrt glücklich im gelobten Land an. In Bethlehem erlebt er in der Basilika eine große Feier und dort sieht er seinen Freund weit vorne am Altar am besten Platz stehen. Im Gedränge kommt er nicht zu ihm und am Ende der Feier verliert er ihn wieder aus den Augen. Schließlich entdeckt er ihn noch einmal weit entfernt in der Menge, doch er schafft es wieder nicht bis zu ihm. Er beschließt einfach beim Ausgang auf ihn zu warten, wenn alle herauskommen, müsste sein Freund bei ihm vorbeikommen, überlegt er. Doch er verfehlt ihn wieder. Der alte Mann ist müde und sein Geld wird knapp, so tritt er erschöpft die Heimreise an. Als er nach anstrengenden Monaten endlich zu Hause ankommt, ist der andere längst da. „Das ist ja unglaublich, wir haben uns immer verfehlt!“ ruft er seinem Freund zu. „In Bethlehem habe ich dich gesehen, du warst am besten Platz ganz vorne am Altar und jetzt bist du schon von mir zu Hause! Wie hast du das bloß geschafft?“ 

Der andere schlägt demütig die Augen nieder und antwortet: „Gott sei mir gnädig! Ich bin niemals im gelobten Land angekommen. Als ich meine Wasserflasche nachfüllte, bemerkte ich, dass die Menschen in dem Haus neben dem Brunnen ganz verhungert waren. Sie konnten sich kaum noch rühren, also habe ich ihnen das Wasser gebracht. Ich bin dann länger und länger bei ihnen geblieben und habe ihnen geholfen, die Ernte habe ich eingebracht und mein ganzes Geld ausgegeben, damit sie nicht mehr hungern müssen. Irgendwann war mein Geld aufgebraucht ich musste wieder nach Hause.“

Da antwortete der andere: „Ich weiß nicht, wer nun von uns beiden wirklich in Bethlehem angekommen ist!“

Jesus Christus bei sich ankommen zu lassen, ihn zu finden, ist keine geographische Frage. Es genügt, ihm zu folgen, so zu glauben und so zu handeln wie er. Dann finden wir Bethlehem.

Wohin willst Du gehen?” fragte mich der Engel, als ich an einer Kreuzung stand und nicht mehr weiterwusste.  “Nach Bethlehem” antwortete ich und breitete meine Landkarte umständlich vor ihm aus. Lächelnd nahm er sie mir aus der Hand und wies mir den weiten Weg von meinem stets angestrengten Verstand hin zur Güte meines Herzens. (Ch. Spilling-Nöker)