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Tele, Weitwinkel, Makro

Ostern ist anders! Die Botschaft der Auferstehung, über das Leben, das nicht unterzukriegen ist und verwandelt wird, ist nicht gleich zu verstehen, nicht mit unseren Kategorien des Alltagswissens einzuordnen. Es braucht dazu eine andere Blickrichtung und Einstellung, oder um es in der Fotographiersprache sagen: es braucht dazu so etwas wie ein Tele-, ein Weitwinkel- und ein Makroobjektiv.

Tele: Ich blicke in die Ferne, suche nach dem Ziel des Lebens und spüre nach, wohin ich gehe, frage mich, wer ich am Ende gewesen sein möchte.

Weitwinkel: Ich nehme wahr, dass es noch mehr gibt als das, was ich in meinem oft so eingeschränkten Blick sehe, eine Welt neben meinen Scheuklappen, über die Grenzen von Raum und Zeit hinaus. Wer die Sehnsucht nach Weite spürt und staunen kann, sieht auch weiter.

Makro: Es gilt genau hinzuschauen, auf die kleinen Details in meinem Leben zu achten, auf die Botschaften und die Spuren Gottes, um daraus zu lernen und etwas mitzunehmen. Wer genauer in die eigene Seele blickt, wer die Nächsten genauer wahrnimmt, ihr Lächeln und ihre Tränen, wer darauf schaut, was wirklich trägt und hilft, ist schon auf der Suche nach dem wesentlichen und bleibenden Leben.

Es ist wie beim Fotografieren: die besten Objektive nützen nichts, wenn das Licht schlecht ist. Wir brauchen Licht, um zu leben, alles Leben braucht Licht. Das am Osterfeuer entzündete Licht der Osterkerze verkündet uns, dass Gott Licht und Leben gibt. Sein Licht leuchtet auch über den dunklen Wolken unserer Zeit, und manchmal, wenn der Himmel aufreißt, fällt ein Strahl auf uns. Wie mit einem Tele, Weitwinkel und Makro sehen wir dann, wie nahe uns Gott ist, zu welcher Weite wir gerufen sind und was das alles mit unserem Innersten zu tun hat.

Es wird Ostern, es geht auf das Leben zu! Ein gesegnetes Fest der Auferstehung!

Abt Johannes

 

 

 

 

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Zum Weiterdenken

Bei sich anfangen!

Eine Wüstenvätergeschichte zum Beginn der Fastenzeit:

Ein Bruder sagte zu einem Altvater: „Vater, 30 Jahre habe ich kein Fleisch gegessen und bin immer noch versucht in dieser Sache!“ Der weise Mönch antwortete: „Sage mir nicht mein Kind, dass du 30 Jahre gelebt hast ohne Fleisch zu essen, sondern ich bitte dich, sag mir die Wahrheit: Wie viele Tage hast du verbracht ohne Böses von deinem Bruder zu sagen, ohne deinen Nächsten zu richten und ohne von deinen Lippen einen unnützen Satz ausgehen zu lassen?“  Der Bruder verbeugte sich und sagte. „Bete für mich, Vater, damit ich anfange!“

nach Eduard Schweitzer, Beuron 2012

Fastenzeit ist kein sportlicher Leistungszeitraum, es geht nicht darum, wer mehr verzichtet, mehr aushält oder mehr leistet, sondern es geht darum, aufmerksamer verständnisvoller und gehaltvoller zu werden. Dabei hängen Gottes- und Nächstenliebe aufs Engste zusammen, persönliche Sinn-und Glückssuche korrespondieren mit der Sorge um das Wohl der anderen. Und am besten ist es bei sich selbst anzufangen und nicht von anderen zu fordern, sie gar zu richten und zu abzuwerten. Anfangen ist immer möglich – jetzt am Beginn der österlichen Bußzeit ist eine gute Gelegenheit dazu. In diesem Sinne wünsche ich eine erfüllende und inspirierende Fastenzeit!

Abt Johannes

 

 

 

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In dieser Nacht – der Weihnacht – verändert die Liebe die Geschichte

In dieser Nacht – der Weihnacht – verändert die Liebe die Geschichte. – Dieser Satz von Papst Franziskus gibt zu denken. Was verändert Geschichte wirklich? Was findet Eingang in unsere Geschichtsbücher? Die unzähligen Kriege und Gewalttaten, die Taten der Despoten und Tyrannen scheinen da oft zuvorderst auf.

Aber die Geschichte wirksam verändert, so dass man sich persönlich erinnert, bis in das eigene Leben hinein, bis in die tiefen Fragen der Existenz, haben sie wohl nicht. Der zu Bethlehem Geborene hat genau das getan. Für seine Botschaft, sein Vertrauen auf den Vater im Himmel, seinen Glauben an die Versöhnung und die Liebe hat er alles gegeben. Er ist nicht nur weltweit bekannt, er berührt, er begegnet auch heute.

Seine Liebe hat die Geschichte verändert und kann sie auch heute wandeln.

Ein Beispiel? Im kolumbianischen Bürgerkrieg setzte man in den 2000er Jahren nach Jahrzehnten der Gewalt auf die „Operation Weihnachten“:

Im Dschungel, in den sich die Rebellen zurückgezogen hatten, warf man Christbäume mit Beleuchtung ab, tausende leuchtende Glaskugeln mit Botschaften schwammen auf Flüssen daher, Kinderfotos der Soldaten mit einem kurzen Brief wurden verteilt.

Und überall war die Botschaft enthalten: „Es ist Weihnachten! Komm nachhause, wir warten auf dich!“ Hunderte Kämpfer entschieden sich zur Rückkehr, ein Baustein für den Frieden, der folgte. – So kann Liebe Geschichte verändern. Und das ganz im Sinne des zu Bethlehem Geborenen.

Ein gesegnetes Weihnachtsfest und eine Liebe, die uns und unsere Geschichte verändert!

Abt Johannes Perkmann

 

 

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Gib mir ein kleines bisschen Sicherheit

Ein Song der deutschen Band Silbermond singt melancholisch und doch sehnsuchtsvoll von der Hoffnung auf Sicherheit, auf Menschen, die Halt geben in einer schnellen Welt und auf etwas, das bleibt.

Gerade der Advent stellt uns solche Fragen und gibt Sehnsüchten Raum. Was gibt mir Sicherheit? Was hat Bestand in einer Welt, wo so vieles unsicher wird: der Arbeitsplatz, die Pflege im Alter, die geplagte Natur, unser friedliches Leben? Gerade im Advent ist Zeit, Fakten wirken zu lassen und die Sehnsucht in sich auf Antwort und Erlösung wieder zu spüren, die weit über uns und unsere Weisheit hinausgeht. Jesus Christus mutet den Menschen zu, Krise zu erkennen und zu bestehen, den Kopf nicht hängen zu lassen, sondern sich an der Botschaft der Hoffnung aufzurichten. Und die wirkt auch heute, trotz aller Widrigkeiten.

Eine sehr schöne Interpretation dieses Silbermond-Liedes singt die deutsche Schule Jerusalem mit vielen Mädchen christlicher und muslimischer Herkunft. In der Unsicherheit ihres Lebenskontextes wissen sie, wovon sie singen. Und das geht unter die Haut.

Advent ist die Zeit, diese Sehnsucht nach dem Sicheren und Bleibenden neu zu spüren und Hoffnungsspuren zu entdecken. Erst dann wird Weihnachten sinnvoll werden.

Abt Johannes Perkmann OSB

Video: https://www.youtube.com/watch?v=0IuvWbozK6Q

 

 

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Lauf ins Leben!

Lauf ins Leben!


Laufen hat etwas mit Ostern zu tun: Da wird berichtet, dass die Frauen geschickt werden, um gleich die Botschaft der Auferstehung zu verkünden. Da laufen zwei Jünger, die zum Grab, um sich zu überzeugen, was über diesen Jesus gesagt wurde. Zwei andere laufen davon und erfahren auf dem Weg nach Emmaus, dass Jesus sie unerkannt begleitet. Schließlich sollen die Jünger nach Galiläa vorausgehen, um dort Jesus neu zu begegnen.

Und dann hat diese Botschaft ihren Lauf durch die Welt genommen, weil die Jünger und Jüngerinnen gleichsam gerannt sind, diese Botschaft vom Leben mit Zukunft bekannt zu machen, davon zu erzählen und diese Hoffnung hinauszutragen.

Auferstehung erschließt sich nicht im Grübeln und Sitzenbleiben, nicht in der sicheren Distanz der Unentschlossenheit und der Skepsis, Auferstehung braucht einen Weg (und Zeit, bis sie in uns ankommt) und Auferstehung macht Beine.

Die Auferstehungserfahrung beginnt mit dem inneren Interesse, wie es nach dem Tod weitergeht, was wirklich lebendig macht und bleibt. Zuerst braucht es den inneren Antrieb, sich selber überzeugen zu wollen, das Fragen und Suchen. Wer erfährt, dass das Leben stärker ist als der Tod, dass es Hoffnung für die Zukunft gibt, der muss es einfach bezeugen und weitererzählen.

2000 Jahre nach Ostern: Wer läuft denn da noch, was läuft denn da noch im Glauben?

Im alten Europa sind wir etwas müde geworden, man rennt vielleicht irgendwelchen Messiasgestalten hinterher, die bald verglühen, man rennt dem Erfolg, dem Wachstum hinterher, in vielen Ländern ist ein Rüstungswettlauf zu beobachten. Rennen wir, um eine Antwort auf die großen Fragen des Lebens zu bekommen, laufen wir füreinander, für Menschen, die uns brauchen? Wofür rennen wir?

Ostern ist das große Fest des Lebens, das Beine machen kann, um die Hoffnung nicht untergehen zu lassen, um wieder für das Wesentliche zu rennen. Starten wir durch!

Ein gesegnetes Osterfest!

Abt Johannes Perkmann OSB

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Abnehmen allein ist zu wenig

Abnehmen allein ist zu wenig

Natürlich muss man auf die Kilos achten, tendenziell haben wir in unserem Kulturkreis zu viele davon. Die Statistik spricht gegen uns und der Blick auf die Waage auch. Da tut Fasten gut, es ist ein Gebot der Stunde.

Jahr für Jahr treffen sich in unserem Bildungshaus Fastende, die sich eine Woche von Saft und Gemüsebrühe ernähren, nicht in erster Linie, um abzunehmen, sondern um bewusster auf den Körper zu achten, um maßvoller und genügsamer zu leben.

Das besondere Kennzeichen sind dabei die spirituellen Impulse und die Gemeinschaftserfahrungen. Da merkt man, was Fasten ist: nicht nur auf den Körper zu achten und gesünder zu leben, sondern auch die Seele zu stärken und sich etwas sagen lassen, was man sich selber nicht sagen kann. Jahr für Jahr sind es Impulse aus der Bibel, die zu denken geben, das Diskutieren anregen und zur Bereicherung für das innere Leben werden. Sie helfen, über das eigene Handeln nachzudenken und motivierter den Weg weiterzugehen.

Heuer begleiteten einige Begegnungserzählungen Jesu die Teilnehmenden. Er ist einer, der sich berühren lässt und selber andere berührt, auch die, denen sich sonst keiner nahen will, den Kranken und Aussätzigen etwa. Er lässt aber auch wieder los und will keine von ihm Abhängigen. Er stiftet zum Leben und zum Glauben an, d.h. zum Vertrauen in die heile Zukunft. Und er fordert in der Erzählung von Marta und Maria das Zuhören ein, nicht nur das Leisten und Tun.

Geduldiges Lesen der Bibel, miteinander Nachdenken und Reden führen in die Tiefe der eigenen Existenz.  Das Gelesene geht mit der eigenen Erfahrung zusammen.

Fasten ist viel mehr als Abnehmen, Fasten weckt Geschmack am Wort Jesu – und das wirkt über die Fastenzeit hinaus.

Was lesen Sie gerade?

 

Abt Johannes Perkmann OSB

 

 

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Warst du schon in Bethlehem?

Warst du schon in Bethlehem?

Die Gedanken in diesen Tagen gehen besonders ins hl. Land, dorthin, wo Weihnachten entstanden ist. In Bethlehem feiern normalerweise viele Pilger, aber derzeit verhindert der Krieg ein Wallfahren an die hl. Stätten. 

Leo Tolstoi erzählt einmal eine Pilgergeschichte von zwei alten Männern, die ins hl. Land aufbrechen:

Viele russische Bauern des 19. Jahrhunderts träumten davon, nach der Hofübergabe endlich Zeit für eine Pilgerreise ins gelobte Land zu haben. So machten sich einmal zwei alte Freunde auf den Weg. 

Unvorstellbar lange Strecken müssen sie zu Fuß zurücklegen. Als sie bereits wochenlang unterwegs sind, macht sich einer der beiden auf die Suche nach einem Brunnen, um seine Wasserflasche zu füllen. Der andere lässt sich inzwischen am Wegesrand nieder und schläft ein. Als er aufwacht, ist sein Freund immer noch nicht zurückgekehrt. Er vermutet, dass der andere ihn wohl im Schatten der Bäume nicht gesehen habe und an ihm vorbeigegangen sei. So geht er ihm nach. Aber auch im nächsten Dorf trifft er ihn nicht; der Mann beruhigt sich mit der Hoffnung, ihn am Hafen zu sehen. Aber auch da wartet er vergeblich, sein Freund kommt nicht. Schließlich läuft sein Schiff ein und er kommt nach der Überfahrt glücklich im gelobten Land an. In Bethlehem erlebt er in der Basilika eine große Feier und dort sieht er seinen Freund weit vorne am Altar am besten Platz stehen. Im Gedränge kommt er nicht zu ihm und am Ende der Feier verliert er ihn wieder aus den Augen. Schließlich entdeckt er ihn noch einmal weit entfernt in der Menge, doch er schafft es wieder nicht bis zu ihm. Er beschließt einfach beim Ausgang auf ihn zu warten, wenn alle herauskommen, müsste sein Freund bei ihm vorbeikommen, überlegt er. Doch er verfehlt ihn wieder. Der alte Mann ist müde und sein Geld wird knapp, so tritt er erschöpft die Heimreise an. Als er nach anstrengenden Monaten endlich zu Hause ankommt, ist der andere längst da. „Das ist ja unglaublich, wir haben uns immer verfehlt!“ ruft er seinem Freund zu. „In Bethlehem habe ich dich gesehen, du warst am besten Platz ganz vorne am Altar und jetzt bist du schon von mir zu Hause! Wie hast du das bloß geschafft?“ 

Der andere schlägt demütig die Augen nieder und antwortet: „Gott sei mir gnädig! Ich bin niemals im gelobten Land angekommen. Als ich meine Wasserflasche nachfüllte, bemerkte ich, dass die Menschen in dem Haus neben dem Brunnen ganz verhungert waren. Sie konnten sich kaum noch rühren, also habe ich ihnen das Wasser gebracht. Ich bin dann länger und länger bei ihnen geblieben und habe ihnen geholfen, die Ernte habe ich eingebracht und mein ganzes Geld ausgegeben, damit sie nicht mehr hungern müssen. Irgendwann war mein Geld aufgebraucht ich musste wieder nach Hause.“

Da antwortete der andere: „Ich weiß nicht, wer nun von uns beiden wirklich in Bethlehem angekommen ist!“

Jesus Christus bei sich ankommen zu lassen, ihn zu finden, ist keine geographische Frage. Es genügt, ihm zu folgen, so zu glauben und so zu handeln wie er. Dann finden wir Bethlehem.

Wohin willst Du gehen?“ fragte mich der Engel, als ich an einer Kreuzung stand und nicht mehr weiterwusste.  „Nach Bethlehem“ antwortete ich und breitete meine Landkarte umständlich vor ihm aus. Lächelnd nahm er sie mir aus der Hand und wies mir den weiten Weg von meinem stets angestrengten Verstand hin zur Güte meines Herzens. (Ch. Spilling-Nöker)

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Advent: Wann kommt der Friede?

Advent: Wann kommt der Friede?

„Wann kommt der Friede, von dem die Engel sangen?“ 

Dieses Lied wird bei unseren adventlichen Gottesdiensten gerne gesungen. Und das ist wirklich eine Frage: Wann kommt der Friede? Tausende Jahre wird um Frieden gebetet, gesungen und gerungen – ändert sich etwas? Die Realität sagt so oft etwas anderes, gerade jetzt. Und dann will die adventliche Zeit Frieden verordnen, als wäre es ein Zuckerguss über das ganze Chaos, das diese Welt ausmacht?

Also es lassen? Was wäre dann die Alternative? Resignieren, Versinken im Beklagen, ohne Hoffnung dastehen, alleingelassen mit den negativen Bildern? Das kann es nicht sein!

Advent bietet die Chance, sich in andere Bilder zu vertiefen, Hoffnungsgeschichten zu lesen, Sehnsuchtslieder zu singen und, ja, auch zu beten.

Beten heißt Eintauchen in eine Welt, wo Heilung, Mitleid, Hoffnung großgeschrieben werden, wo anders mit dem Leben umgegangen wird, wo man sich einsetzt für Frieden und Gerechtigkeit, wo vergeben wird. Im Beten wird es innerlich erfasst, was zu Weihnachten verkündet und gefeiert wird: Gott schenkt Frieden, er nimmt am Leben von uns Menschen mit allem, was dazugehört, teil und begleitet es. Er ist da und diese Gewissheit heilt. 

Beten heißt sich Zeit nehmen, auf diese Botschaft zu hören, diesen Gedanken Raum zu geben. In der Stille, im Betrachten, im Lesen, im Feiern der Roratemessen, im gemeinsamen Gebet darf die Welt Gottes zu Wort kommen. Wer in der Seele Frieden findet, kann versuchen Frieden weiterzugeben, denn nur zufriedene Mensch können Frieden bringen.

Dann kommt der Friede, von dem die Engel sangen!

Abt Johannes Perkmann OSB

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Ostern: Da kommt neues Leben raus

Ostern: Da kommt neues Leben raus

(8.4.23) Ein kleiner Handwerker im Süden Deutschlands macht eine große Karriere: er wird Kaufmann, ist unglaublich erfolgreich und erarbeitet sich viel. Schließlich steigt er ins Immobiliengeschäft ein – eine Goldgrube für ihn. Immer erfolgreicher und unüberschaubarer wird sein Firmengeflecht, immer trickreicher seine Konstruktionen, bis Bankenaufsicht und Finanzbehörden einschreiten. Wegen Betrugs wird er schließlich zu 7 Jahren Haft verurteilt.

Das Gefängnis wird ihm unerträglich, er verliert alle Hoffnung und beschließt seinem Leben ein Ende zu setzen. Er bittet noch einmal seine Familie zu Besuch, ohne ihnen seine Absicht zu erzählen. Für den Enkel, der auch mitkommt, lässt er Stifte und Papier zum Malen vorbereiten.

Am Ende des Besuches fragt er seinen Enkel, ob er ihm das Bild zeige. Es war voller schwarzer Striche, ein Gekritzel und Durcheinander. Auf die Frage, was das bedeute, sagte der Enkel: „Das ist unsere Familie. Alles ist schiefgangen und wir sind traurig, weil du uns fehlst.“ Der Opa bemerkte auf dem Bild noch einen schwarzen Punkt, den er auch erklärt haben wollte. Der Enkel sagte: „Das ist ein Samenkorn, da kommt neues Leben raus.“

Schlagartig spürte der Opa eine Veränderung, es war, wie wenn er ein Licht sähe, und er fühlte Hoffnung und Zuversicht. Später sagte er, es war so, als hätte das ihm Jesus persönlich gesagt. Er fand wieder Mut, saß sein Strafe ab und begann ein neues Leben.

– Die Kraft der Auferstehung wirkt weiter durch die Zeiten und Ostern ist wie dieses Samenkorn, aus dem neues Leben rauskommt. Lassen wir es wachsen, damit die Hoffnung blüht.

+Abt Johannes Perkmann OSB

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Zur Fastenzeit: Wie ein großer Frachter

Zur Fastenzeit: Wie ein großer Frachter

(25.2.23) Ein großes Frachtschiff ist bei Nacht auf dem Meer unterwegs und plötzlich sieht der 1. Offizier ein Licht auf das Schiff zukommen. Er meldet es sofort dem Kapitän und der setzt gleich einen Funkruf ab: „Sie befinden sich auf Kollisionskurs, ändern Sie ihren Kurs um 20 Grad!“ Sofort kommt ein Funkspruch zurück: „Sie müssen dringend Ihren Kurs ändern!“

Der Kapitän antwortet: „Wer sind Sie, dass Sie mir das anschaffen können?“ Von der anderen Seite kommt die Antwort: „Ich bin ein ganz normaler Matrose.“ Da antwortet der Kapitän: „Sie wissen nicht, wen Sie vor sich haben! Ich bin der Kapitän eines riesigen Frachters und ich befehle Ihnen Ihren Kurs zu ändern! Ich bin am größten Schiff unserer Nation!“

Der Matrose funkt zurück: „Ich rate Ihnen dringend Ihren Kurs zu ändern, ich bin am Leuchtturm!“

Diese Anekdote zeigt ganz gut, wie es mit Umkehraufrufen gehen kann oder wie wir damit umgehen. Wir fühlen uns manches Mal wie das große Frachtschiff, das voll beladen unbeirrbar unterwegs ist und nur sehr, sehr langsam Kurs ändern kann, wenn es überhaupt will und das einsieht. Eine Kursänderung beleidigt unseren Stolz. Und trotzdem ist es unerlässlich, sonst zerschellen wir an den Felsen, die im Leben so daherkommen. Die Fastenzeit ruft uns zur Umkehr und zum Umdenken in vielen Bereichen:

Unsere Gesellschaft ist auch so unterwegs wie ein schwer beladener Frachter auf dem Meer, oft unwillig und unfähig, den Kurs zu ändern. Etwa beim Klima, beim Lebensstil, beim Verbrauch, da wissen wir längst, dass es Änderung braucht. Aber anschaffen lassen von lästigen Klimaklebern? 

Unsere Kirche, gerne das Schiff Petri genannt, ist auch manches Mal ein beladener und belasteter großer Kahn, der sich schwertut eine Kursänderung einzuschlagen. Unser Kurs muss gehalten werden wie in allen Zeiten! Und früher? Kursänderungen gehören zur Geschichte!

Wir selber sind auch in manchen Momenten so unterwegs. Wir haben 100% Recht, die anderen 100% Unrecht. Ändern sollen sich die anderen, ich lassen mir von denen nichts anschaffen! Und da gibt es auch noch die Gewohnheiten, die uns träge und änderungsresistent machen…

Das Evangelium ist wie ein Leuchtturm, der uns den rechten Kurs weist. Gerade in der Fastenzeit sollten wir es wieder zur Hand nehmen und lesen. Ostern vorbereiten heißt Kurs ändern und volle Fahrt voraus, dass das, was wir von Gott verstanden haben, auch in konkreten Taten umgesetzt wird!

+Abt Johannes Perkmann OSB