Ostern ist anders! Die Botschaft der Auferstehung, über das Leben, das nicht unterzukriegen ist und verwandelt wird, ist nicht gleich zu verstehen, nicht mit unseren Kategorien des Alltagswissens einzuordnen. Es braucht dazu eine andere Blickrichtung und Einstellung, oder um es in der Fotographiersprache sagen: es braucht dazu so etwas wie ein Tele-, ein Weitwinkel- und ein Makroobjektiv.
Tele: Ich blicke in die Ferne, suche nach dem Ziel des Lebens und spüre nach, wohin ich gehe, frage mich, wer ich am Ende gewesen sein möchte.
Weitwinkel: Ich nehme wahr, dass es noch mehr gibt als das, was ich in meinem oft so eingeschränkten Blick sehe, eine Welt neben meinen Scheuklappen, über die Grenzen von Raum und Zeit hinaus. Wer die Sehnsucht nach Weite spürt und staunen kann, sieht auch weiter.
Makro: Es gilt genau hinzuschauen, auf die kleinen Details in meinem Leben zu achten, auf die Botschaften und die Spuren Gottes, um daraus zu lernen und etwas mitzunehmen. Wer genauer in die eigene Seele blickt, wer die Nächsten genauer wahrnimmt, ihr Lächeln und ihre Tränen, wer darauf schaut, was wirklich trägt und hilft, ist schon auf der Suche nach dem wesentlichen und bleibenden Leben.
Es ist wie beim Fotografieren: die besten Objektive nützen nichts, wenn das Licht schlecht ist. Wir brauchen Licht, um zu leben, alles Leben braucht Licht. Das am Osterfeuer entzündete Licht der Osterkerze verkündet uns, dass Gott Licht und Leben gibt. Sein Licht leuchtet auch über den dunklen Wolken unserer Zeit, und manchmal, wenn der Himmel aufreißt, fällt ein Strahl auf uns. Wie mit einem Tele, Weitwinkel und Makro sehen wir dann, wie nahe uns Gott ist, zu welcher Weite wir gerufen sind und was das alles mit unserem Innersten zu tun hat.
Es wird Ostern, es geht auf das Leben zu! Ein gesegnetes Fest der Auferstehung!
Abt Johannes