Veröffentlicht am Schreib einen Kommentar

Hör auf mich, hör auf dich, hör auf Gott!

Der Advent ist eine sehr kostbare Zeit. Heuer wird vieles anders sein, aber das Wesentliche kann durchaus, vielleicht sogar vertieft, erfahren werden.
Der Adventkranz zeigt, worum es im Wesentlichen geht: Das Grün der Hoffnung bewegt unser Leben und lässt uns erahnen, das nach allem Dunklen das Licht kommt. Für Menschen, die Glauben wagen, kommt am Ende nicht der Schrecken, sondern der Erlöser. Diese Hoffnung beflügelt das Leben!
Am Adventkranz werden die Lichter jede Woche mehr. Das erste Licht, dem Evangelium des ersten Adventssonntags folgend, ist das Licht der Wachsamkeit, d.h. der Aufmerksamkeit und der Achtsamkeit. Wie kann man das üben? Ich denke, dass die Stille eine ganz große Möglichkeit dafür ist. In einer Erzählung von Knud Rasmussen heißt es.

Majuaq war eine greise Inuitfrau. Knud Rasmußen, der Forscher, hatte sie gebeten, ihm aus der Geschichte ihres Volkes zu erzählen. Die alte Majuaq schüttelte den Kopf und sagte: „Da muss ich erst nachdenken, denn wir Alten haben einen Brauch, der Quarrtsiluni heißt.“ „Was ist Quarrtsiluni?“ Majuaq erzählte mit großen Handbewegungen: „In alten Tagen feierten wird jeden Herbst große Feste zu Ehren der Seele des Wales und diese Feste mussten stets mit neuen Liedern eröffnet werden, wenn Männer und Frauen tanzten, um den großen Fangtieren zu huldigen. Da hatten wir den Brauch, dass in jener Zeit, in der die Männer ihre Worte zu diesen Hymnen suchten, alle Lampen ausgelöscht werden mussten. Es sollte dunkel und still im Festhaus sein. Nichts durfte stören, nichts zerstreuen. In tiefem Schweigen saßen sie in der Dunkelheit und dachten nach, alle Männer, sowohl die alten wie die jungen. Diese Stille war es, die wir Quarrtsiluni nannten. Sie bedeutet, dass man auf etwas wartet, das aufbrechen soll. Denn unsere Großväter hatten den Glauben, dass die Gesänge in der Stille geboren werden. Dann entstehen sie im Gemüt der Menschen und steigen herauf wie Blasen aus der Tiefe des Meeres, die Luft suchen, um aufzubrechen. So entstehen die heiligen Gesänge.“ Knud Rasmußen (nach Halbfas, 1989).

Im Hören auf die Stille entsteht Achtsamkeit auf das Wesentliche, auf die heilende und heilige Botschaft der Erlösung, die zu Weihnachten verkündet wird. Kurz zusammengefasst könnte man als Motto für die Adventszeit formulieren: „Hör auf dich, hör auf mich, hör auf Gott!“

Eine gesegnete Adventszeit Ihnen allen,