Pfarrer als Impfhelfer

Kürzlich haben die Salzburger Nachrichten einige interessante Details aus den Recherchen von Josef Haunschmidt, Hobbyhistoriker aus Lamprechtshausen, über P. Werigand Rettensteiner OSB veröffentlicht. Grund genug auch hier einmal auf diesen Mitbruder einzugehen:
P. Werigand Rettensteiner (+1822), stammte aus Salzburg, kam als Konventschüler nach Michaelbeuern und trat dann ins Kloster ein. Schon früh wurde der Grund für seine Liebe zur Musik gelegt. Er ist in der Geschichte vor allem als Freund des Komponisten Michael Haydn bekannt. So manches seiner Gedichte wurden vom berühmten Komponisten vertont und P. Werigand machte sich schließlich auch stark für dessen Denkmal zu Sankt Peter in Salzburg.
Nicht so bekannt sind seine Leistungen als Seelsorger in Obersulz, Lamprechtshausen und Seewalchen. In Lamprechtshausen hat er sich für die Bevölkerung besonders eingesetzt und während der Bedrohung durch die Pocken Überzeugungsarbeit für das Impfen geleistet. Er holte sich einen Arzt aus Michaelbeuern und ging mit ihm von Haus zu Haus, um die Menschen für die Impfung zu gewinnen. Dabei hatte er mit vielen Gerüchten und Feindseligkeiten zu kämpfen. Die Impfgegner fürchteten nach der sog. Kuhpockenimpfung, dass ihnen Hörner und Euter wachsen würden; der Arzt wurde als Kindermörder Herodes beschimpft. In einem Zeitungsleserbrief beklagte P. Werigand „falsche Propheten und vorurteilsvolle Hasser des Guten", die gegen die Impfung Stimmung machten.
Nichtsdestotrotz konnte er seine Pfarrangehörigen überzeugen und Lamprechtshausen wurde durchgeimpft. Heute gilt die Krankheit überall als ausgerottet.
Der Blick auf die Geschichte könnte Vernunft auch in die derzeitige Debatte bringen. Möge es auch bald einmal bei uns so lauten, wie es P. Werigand nach getaner Arbeit geschrieben hat: "Etliche 60 Kinder, worunter auch einige Erwachsene, welche die gewöhnlichen Blattern noch nicht gehabt hatten, sind glücklich geimpfet, und mithin der verheerenden Pockenpest entrissen worden, ohne daß sie auch nur bey Einem widrige und für die Zukunft abschreckende Anfälle geäußert hätten."
Abt Johannes