Happy Birthday!

Happy Birthday!

In diesen Tagen ist im Radio wieder die scheinbar unbeantwortbare Quizfrage zu hören, was denn zu Pfingsten eigentlich gefeiert wird. Viele tun sich schwer, den Festinhalt zu beschreiben.  Wenn wir den konkreten Inhalt von Pfingsten ins Auge fassen, dann kann dieses Fest als Gründung, ja als „Geburtstag“ der Kirche gesehen werden. Mit der Dynamik des Geistes haben sich die Jünger als Gemeinschaft begriffen, die das Evangelium lebt und es in die Welt hinausträgt.
Aber können wir heuer diesen „Geburtstag“ der Kirche feiern? Die Kirche ist so ins Gerede gekommen, dass viele Gläubige verunsichert und verärgert sind von Tatbeständen des Missbrauchs, von Gerüchten, Schlagzeilen und Verdächtigungen, die erschüttern und jegliche Feierlaune verderben. Da braucht nicht herumgeredet zu werden, die Dinge gehören beim Namen genannt, und es ist dringend nötig, wirksame Schritte der Aufarbeitung und der Versöhnung zu setzen. Prävention und Neuorientierung auf der Höhe des heutigen Wissensstandes sind angesagt, dazu gilt es, einen glaubwürdigen geistlichen Lebensstil zu entwickeln, am zweifellos vorhandenen Guten weiterzuarbeiten und manches anders zu denken. Und wie könnte Kirche anders werden?
Ein Blick auf die Bibel hilft hier eine echte Perspektive zu finden. Das Volk Gottes hat erstaunlicherweise auch die ärgsten Zeiten durchgestanden und immer wieder neu ansetzen können. Das gilt besonders für die Zeit des babylonischen Exils und der Diaspora wie auch für den neuen Weg, den die junge Kirche gegangen ist. Und immer wieder tauchen bei der Bewältigung solcher  Krisen- und Übergangszeiten folgende Momente auf:

- Bei der Problemaufarbeitung nimmt sich die Bibel kein Blatt vor den Mund und hat Kritik an keinem gescheut, nicht an Königen, Priestern, Propheten, Aposteln, nicht am ganzen Volk.

- Oft und oft wird das Umdenken und Umlernen betont. Auch wenn vieles Selbstverständliche in veränderten Zeiten nicht mehr möglich war, etwa Riten, Ämter, Tempel, ja sogar Heimat aufgegeben werden mussten, konnte das Volk Gottes dennoch seine Identität wahren. Es glaubte nicht an Formen und Ämter, sondern an Gott - und der kann nicht genommen werden.

- Immer wieder wird Mut gemacht, in der neuen Zeit anzukommen und sich für die Gesellschaft einzusetzen. So schreibt Jeremia in seinem berühmten Brief an die Verbannten: „Baut Häuser, und wohnt darin, pflanzt Gärten, und esst ihre Früchte!… Bemüht euch um das Wohl der Stadt, in die ich euch weggeführt habe, und betet für sie zum Herrn; denn in ihrem Wohl liegt euer Wohl.“ (vgl. Jer 29,5f).

In der Bibel findet sich eine große Ermutigung zur Zukunft, um aus tiefen Quellen schöpfend immer wieder Neues zu entwickeln, das trägt und dem Menschen gerecht wird. Dazu braucht es heute Amtsträger, die sich immer wieder am Evangelium ausrichten und Mut zu Neuem haben, dazu braucht es eine Basis, die den Glauben wichtig nimmt und denselben Mut hat.

 In diesem Sinne ein geistreiches Pfingsten und viel Mut zu Neuem!

 Ihr

 Abt Johannes

Weil du da bist, ist wirklich Ostern!

Weil du da bist, ist wirklich Ostern!

 

Eine benediktinische Ostergeschichte ist mir besonders lieb geworden, weil sie zeigt, wie Ostern erfahrbar werden kann. Papst Gregor. d. Gr. erzählt sie in seinem 2. Buch der Dialoge:

…Da wollte der allmächtige Gott Romanus von seiner Mühe ausruhen lassen und das Leben Benedikts den Menschen als Beispiel vor Augen führen. Wie ein Licht sollte er auf den Leuchter gestellt werden, hell brennen und allen im Haus leuchten. Darum offenbarte sich der Herr einem Priester, der weit entfernt wohnte und sich am Osterfest ein Mahl zubereitete. Er sagte zu ihm: »Du bereitest dir hier Köstlichkeiten, und mein Diener wird dort vom Hunger gequält.«
Sofort stand der Priester auf und machte sich noch am Osterfest mit den Speisen, die er für sich zubereitet hatte, auf den Weg. Er suchte den Mann Gottes in den steilen Felsen, in den Talgründen und in den Schluchten. Schließlich fand er ihn in der Höhle verborgen.
Sie beteten miteinander, priesen den allmächtigen Herrn und setzten sich nieder. Nach beglückendem Gespräch über das wahre Leben sagte der Priester, der gekommen war: »Auf! Wir wollen Mahl halten, denn heute ist Ostern.« Der Mann Gottes gab zur Antwort: »Gewiss! Es ist Ostern, denn ich durfte dich sehen.« Er wusste nämlich nicht, dass auf jenen Tag das Osterfest fiel; so weit hatte er sich von den Menschen entfernt. Der ehrwürdige Priester versicherte ihm aufs neue: »Heute ist Ostern, der Tag der Auferstehung des Herrn. Da darfst du nicht fasten; denn dazu bin ich gesandt, dass wir gemeinsam die Gaben des allmächtigen Herrn genießen.« Da priesen sie Gott und hielten Mahl.
Nach dem Essen und dem Gespräch kehrte der Priester zu seiner Kirche zurück.

(Dialoge, 1. Kapitel)

 

Wie wirklich Ostern wird?

- wenn sich Menschen wirklich menschlich begegnen
- wenn auch die „spirituellen Höhlenmenschen“ wieder Anschluss finden
- wenn die Menschen nicht mehr verhungern in Einsamkeit und Ver-
   nachlässigung
- wenn die Opfer von Missbrauch und Gewalt ernst genommen werden
- wenn in der Seelsorge auch die menschlichen Bedürfnisse beachtet werden
- wenn die Botschaft von der Auferstehung nicht verschwiegen wird
- wenn die kirchliche Sprache die Menschen von heute erreicht
- wenn der der Glaube an die Auferstehung wirklich gelebt wird

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Osterfest, ein Fest des Lebens, der Befreiung und Versöhnung!

Abt Johannes Perkmann OSB 

Das Kreuz mit dem Kreuz

Das Kreuz mit dem Kreuz 

Gerade in der Fastenzeit begegnet es uns wieder häufig: das Kreuz als das Zeichen für unseren christlichen Glauben. Aschenkreuzauflegung, Kreuzweg, Fastenkreuz und Kreuzverehrung sind in unserer Liturgie fest verankert. Und dabei ist es immer wieder in kontroverser Diskussion, wenn man an die Auseinandersetzung über die Kreuze in den Klassenzimmern denkt oder wenn etwa in einem österreichischen Magazin getitelt wird: „Für Minarette, gegen Kreuze.“
Dass das Kreuz immer schon für Auseinandersetzungen gesorgt hat, zeigt ein Blick in die Geschichte. Seit uralten Zeiten ein positives Symbol für die 4 Himmelsrichtungen und die Verbindung zwischen Himmel und Erde, wurde es später zum Zeichen einer Hinrichtungsart. Schon 1000 vor Christus war die Kreuzigung eine gängige Todesstrafe im Vorderen Orient, die auch von den Römern übernommen wurde. In der Bibel galt ein am Pfahl Gehängter als Verfluchter, bei den Römern hieß es: „Was Kreuz heißt, soll nicht nur vom Leib der Bürger Roms fernbleiben, sondern auch schon von ihrer Wahrnehmung, ihren Augen und Ohren.“- Klar, dass die ersten Christen das Kreuz nicht zu ihrem Symbol machten und eher den Fisch als Logo verwendeten. Aber immer wurde mehr klar: Da steckt mehr dahinter, das Kreuz ist ein Schlüssel für das Verstehen von Jesus Christus, eine Lösung für unsere letzten Fragen.
Jesus Christus hat mit seinem Tod am Kreuz gezeigt, dass er zu seiner Verkündigung steht und auch vor der Konsequenz nicht davonläuft. Er ließ nicht andere für sich über die Klinge springen, er ist selber den Weg gegangen. Und: er ist letztlich doch nicht im Scheitern geblieben, er ist erhört und befreit worden, er zeigt, dass das Vertrauen in Gott immer trägt, das Gott auch im Schwärzesten bei uns. Auf die drängende Frage: Was kommt nach dem Tod? gibt der Gekreuzigte die Antwort: „Heute wirst du mit mir im Paradies sein!“
Und deshalb ist das Kreuz zu dem Zeichen der Christen geworden, die sich damit zu ihrer Erlösung bekennen. Und das darf man auch herzeigen in aller Freiheit und Respekt vor anderen!

Die österreichischen Bischöfe forderten das bei ihrer letzten Konferenz in Michaelbeuern ein und schrieben dazu:
Religionsfreiheit bedeutet im Kern das Menschenrecht, die religiöse Überzeugung einzeln oder gemeinsam, sowohl privat als auch öffentlich auszuüben - diese positive Sicht der Religionsfreiheit muss auch in Zukunft garantiert sein.
Da Religion wesentlich Werte und Sinn einbringt, trägt sie zu jenen Voraussetzungen bei, von denen der demokratisch verfasste Staat lebt, ohne sie selbst erzeugen oder garantieren zu können. Der moderne Staat ist daher, um tatsächlich neutral und unparteiisch zu sein, bestens beraten, Religion nicht gesellschaftlich zu marginalisieren, sondern ihr einen entsprechenden Platz auch im öffentlichen Raum zu sichern.
Dem entspricht auch die in Österreich geltende Regelung, dass in jenen Schulen, in denen die Mehrheit der Schüler und Schülerinnen einem christlichen Bekenntnis angehört, in allen Klassenräumen ein Kreuz anzubringen ist. Hier ist das demokratische Mehrheitsprinzip leitend, keinesfalls geht es um Intoleranz.
Das Kreuz als das christliche Grundsymbol ist ein wesentlicher Teil der europäischen Kultur. Besonders religiöse Symbole haben es an sich, dass sie eine vielschichtige Bedeutung in sich tragen. Im Klassenzimmer wie im Gerichtssaal gibt es auch ungerechte Beurteilungen und Urteile - das Kreuz hält den Blick offen, dass solch menschliche Entscheidungen keine letzten und schon gar keine letztgültigen sind. Es entlastet und relativiert zugleich. Das Kreuz im Krankenzimmer, in dem sich oft unerbittlich die Sinnfrage stellt, steht als Garant einer letzten Hoffnung, denn beim Kreuz ist auch die Auferstehung. Für jeden Menschen aber wird durch dieses Kreuz deutlich, dass hier Menschen wirken, die sich unter Gott wissen und sich selbst nicht zum Maß der Dinge erheben. Auch für die Andersgläubigen kann sich so eine unausgesprochene gemeinsame Basis des Vertrauens ergeben, die für das Zusammenleben sehr wichtig ist.

 

Die Bohnen in der rechten Tasche

Die Bohnen in der rechten Tasche

Von einem Wüstenvater wird erzählt, dass er immer Bohnen in der linken Tasche seines Gewandes mit sich trug. Während des Tages nahm er dann und wann eine aus der linken Tasche und steckte sie in die rechte. Seine Schüler beobachteten diese seltsame Handlung und fragten ihn, warum er denn das tue. Immer dann, antwortete er, wenn er etwas Schönes erlebe oder etwas Gutes tue, nehme er eine Bohne aus der linken Tasche und gebe sie in die rechte. Am Abend nehme er die Bohnen aus der rechten Tasche und rufe sich noch einmal alles Schöne und Gute dankbar ins Gedächtnis, damit er es nicht vergesse.

- Wie steht es um unsere „Bohnen“ aus der rechten Tasche – die schönen und guten Erfahrungen eines Tages bzw. unseres Lebens? Wer sie dankbar in Erinnerung bewahrt, hat eine Quelle innerer Kraft und echter Freude. Die tägliche Gewissenserforschung könnte so eine ganz andere Richtung und einen ganz neuen Sinn bekommen. Auch durch diese Ereignisse kann uns Gott Zeichen und Orientierung geben. Gerade wenn ein neues Jahr begonnen hat, vieles vor uns steht und zu bewältigen ist, gilt es, diese inneren Ressourcen zu kennen und zu nutzen.

Er hat es mir ausrichten lassen

Er hat es mir ausrichten lassen

 

Weihnachten ist die Zeit Geschichten zu erzählen und in den oft einfachen Gedanken das Geheimnis herauszuspüren, das an diesem Fest zum Ausdruck kommt: Gott wird Mensch, er kommt als verletzbares Kind, von Anfang an mit dieser Welt mit ihren Höhen und Tiefen vertraut. Wenn Gott diese Art des Kommens wählt, zeigt er uns, dass er uns auch heute in unserer Welt begegnet – im Blick von Mensch zu Mensch, besonders in den Kindern. Es gibt Begegnungen, die dieses göttliche Dasein in unserem Leben erahnen lassen. In der Geschichte  „Jakob malt ein Weihnachtsbild“ von L. Mayer-Skumanz  kommt das zum Ausdruck:

Jakob zeichnet und malt für Weihnachten. Tante Helli wünscht sich ein Kripperl mit Jesuskind, Esel und Ochs. Onkel Fritz wünscht sich Hirten auf dem Weg nach Betlehem. Die Oma hätte gern einen Engel, der freundlich dreinschaut und "Fürchtet euch nicht" sagt. Jakob zeichnet eine Sprechblase vor den Mund des Engels und schreibt "Fürchtet euch nicht" hinein. Dann sagt er zu Katharina: "Jetzt habe ich für jeden ein schönes Geschenk!"  "Nur für das Geburtstagskind noch nicht!" sagt  Katharina. "Für Jesus." Er hat zu Weihnachten Geburtstag. Eigentlich müsste man IHM etwas schenken!" "Meinst du, er hätte Freude mit einem Bild?" fragt Jakob. "Wenn es sehr schön und bunt ist - warum nicht?" fragt Katharina. Jakob nimmt ein neues Zeichenblatt. Er zeichnet einen Christbaum mit vielen Kerzen und Kugeln und Zuckerln in Fransenpapier. "Ich helfe dir", sagt Katharina. Sie malt Tupfen und Sterne auf die Kugeln und um jede Kerze einen gelben Schein. "So", sagt sie. "Jetzt bring ihm das Geschenk! Bring´s ihm in die Kirche!" Jakob geht zur Kirche, aber das Tor ist verschlossen. Jakob steht auf der Straße und überlegt, was er tun soll. Das Christbaumbild flattert im Wind, Jakob muss es mit beiden Händen halten. Eine alte Frau bleibt neben ihm stehen. "So eine lustige, bunte Zeichnung!" sagt sie. "Das ist wohl ein Weihnachtsgeschenk?" "Ja", sagt Jakob. Und dann hält er der alten Frau die Zeichnung hin. "Ich schenk` sie Ihnen!" "Nein, so was!" ruft die alte Frau. "So eine Überraschung...danke..." Jakob rennt nach Hause. Katharina wartet schon auf ihn. "Na?" fragt Katharina. "Der Christbaum hat Jesus sehr gut gefallen", sagt Jakob. "Weißt du das  bestimmt?" fragt Katharina. "Ja", sagt Jakob. "Er hat´s mir ausrichten lassen!"

Sie läuten auch für dich

Nach einem guten alten Brauch wird die Adventzeit mit allen Glocken eingeläutet. In Stadt und Land gibt das Geläut den guten Ton vor, unter dem die Zeit der Vorbereitung auf Weihnachten steht. Die Glocken laden uns zum Hören ein und bringen in uns etwas zum Klingen und Nachhallen. Sie verweisen zuerst auf den, für den sie läuten: auf Gott. Sie sind eine Erinnerung die Verbindung mit ihm zu spüren und aufzunehmen.

In der Geschichte haben die Glocken dann geläutet, wenn für die Mönche die Zeit zum Gebet gekommen ist, damit sie daran erinnert werden und damit auch die Leute der Umgebung eine Gebetspause einlegen. Drei Mal am Tag eine kurze Unterbrechung  - das ist und bleibt ein ganz einfacher geistlicher Rat für ein gutes Leben.

Sehr viele Menschen kommen heute in die Klöster und klagen über die Beschleunigung des Lebens, über das Getriebensein des Alltags und über die Gefahr sich darin selbst zu verlieren.

Die Glocken geben da die einfache Botschaft: Ordne deinen Tag! Beginne den Tag, unterbrich ihn und beende ihn jeweils mit einem Gebet. Das können wir gerade in der Adventzeit mit dem „Engel des Herrn“ tun, mit den Psalmen, einem freien Gebet oder mit einem Augenblick der Stille.

Nicht, dass damit alles gelöst ist, aber es ist leichter zu tragen, wir sind offen für neue Einsichten, können Lasten abgeben. Die Welt werden wir nicht selber erlösen, aber die Glocken künden von einem Heil, das der Welt schon geschenkt ist, von einem Gott, der Mensch wird.

Glocken haben einen guten Klang und eine gute Botschaft. Sie sind eine Einladung zum Hören auf Gott, der leise zu uns spricht, in uns spricht, der uns innerlich anrührt und bewegt.

John Donne, ein englischer Lyriker, formulierte einen der wohl eindringlichsten Gedanken zur Glocke: „Verlange nie zu wissen, für wen die Glocke läutet; sie läutet für dich.“

Es ist mein Adventwunsch, dass Sie immer merken: die Glocken läuten auch für mich!

Abt Johannes Perkmann OSB

Der Vergleich macht Sie nicht sicher

Der Vergleich macht Sie nicht sicher

Immer wieder laufen sie uns über den Weg – die Promis und die Erfolgsmenschen, die Preisträger und die Spitzensportler, die Einserschüler und die Ausgezeichneten, die Heiligen und die Helden. Da drängt sich fast unwillkürlich der Vergleich zu uns selber auf. Und vergleichen wir uns selber nicht, dann vergleichen uns andere mit den jeweils Besseren und Erfolgreicheren. Das kann durchaus ein Ansporn und eine Motivation sein, oft ist es eine Quelle der Überforderung und Frustration. Wenn es Ihnen so geht, dann kann folgende Geschichte hilfreich sein:

Als es mit Rabbi Sussja ans Sterben kam, fragten ihn seine Anhänger und Freunde:„Hast Du denn gar keine Angst?“ Rabbi Sussja gab zur Antwort: „Wenn ich an all die Grossen und Bedeutenden denke: an Mose und Abraham und Jeremia, den Propheten, dann wird mir schon Angst. Aber ich bin gewiss: Gott wird mich in der kommenden Welt nicht fragen: Warum bist du nicht Mose gewesen, sondern: Warum bist du nicht Sussja gewesen! Warum warst du immer bloß mehr oder weniger dies, mehr oder weniger das, nur nicht, was dir bestimmt war: Sussja zu sein? Bloß Sussja – aber dies ganz!“

Auch wir werden einmal nicht gefragt, ob wir Hermann Maier oder Barak Obama, Brad Pitt oder Angelina Jolie, der hl. Franziskus oder Mutter Teresa oder wer auch immer waren, wir werden gefragt, ob wir der/die gewesen sind, der/die wir sind!
Gönnen wir uns wieder einmal einen Moment der Reflexion, wer wir sind, welchen Lebensauftrag wir haben und wie wir da unterwegs sind.

Wenn ein Vergleich uns sicher macht, dann der mit uns selber!

Freundschaft

Freundschaft

Mit Freunden durchs Leben zu gehen ist eine wohltuende menschliche Erfahrung. Jemand zu haben, der einem den Rücken stärkt, Verständnis zeigt und durch Humor das Leben bereichert, tut gut in aller Beanspruchung des Alltags.
Nicht zuletzt ist mit Freundschaft auch ein Moment der Spiritualität zu beschreiben. Eine lebendige Glaubensbeziehung kann durchaus als Freundschaft gesehen werden, als gute Beziehung und Weggemeinschaft mit Jesus Christus. Er selber sagt einmal: „Ich habe euch Freunde genannt.“ (Joh 15,15).
Bei den Mönchen von Taizé hat ein Bild der geistlichen Freundschaft eine besondere Bedeutung: Christus und Abt Menas, eine koptische Ikone aus dem 6./7. Jhdt.

Ikone der Freundschaft

Ein Bild, das zum Schauen anregt, ein Fenster zum Himmel, das den Betrachter mit einbeziehen will.
Christus legt die Hand über die Schulter des Menas und verkörpert damit die Evangeliumsstelle von der Freundschaft. Er geht mit, steht hinter seinem Freund, stärkt den Rücken, blickt in dieselbe Richtung. Da ist keine Herablassung, kein Zeigefinger, kein Kommando, kein unpersönliche Überzeugung - ein Freund geht mit. Auf Augenhöhe.
Christus hat das Evangelium in der Hand - keine Last, keine übergroßen Paragraphen, sondern ein leichtes Joch, zugleich Herausforderung, Maßstab und Inspirationsquelle für seine Freunde.
Die Freundschaft zwischen Christus und uns ist ganz ähnlich wie die Freundschaft zwischen Menschen. Sie schenkt Vertrauen und Freude. Sie wächst über Jahre. Sie bedarf des Geschenkes der Zeit, die täglich für die Freundschaft zu reservieren ist. Sie teilt alles miteinander. Sie bewährt sich gerade in der Not. Und diese Freundschaft ist ein Geschenk, sein Geschenk an alle, die glauben und glauben lernen.

Möge dieses Bild uns zum Denken anregen!

Ruhe nach dem Sturm

Ruhe nach dem Sturm

Endlich einmal Ruhe finden – das ist ein Wunsch vieler für die Ferien. Nach der Hektik der letzten Schul- und Arbeitswochen, nach dem Gewirr der vielen Meinungen und dem Lärm unserer Zeit einige Augenblicke der Stille zu genießen ist ein Geschenk und eine Notwendigkeit, um wieder Kräfte zu sammeln, einen Überblick und Abstand zu bekommen und neue Aufgaben anzunehmen. Die Ruhe hilft uns zu uns selber zu kommen, den Mitmenschen in den Blick zu nehmen und die Dinge zu erkennen,  die wirklich wichtig sind.
In unsere Region ließ uns die Wetterlage nicht so schnell zur Ruhe kommen. Im Gegenteil, das schwere Hagelunwetter sorgte für neue Aufregung, Unruhe und viel Arbeit. Die massiven Zerstörungen gehen bei vielen an die Substanz und stellen ein Übermaß an neuen Sorgen dar. Nun ist nach einer Woche viel geschehen, da und dort gibt es positive Zeichen zu sehen: Die große Bereitschaft zur Zusammenarbeit, die vielen Stunden der Einsatzkräfte und die Unterstützung von außen haben geholfen die Krise zu meistern. Und nach all den Aufregungen ist wieder ein Anflug von Normalität zu spüren. Ob wir jetzt zur Ruhe kommen können? Und wie geht das eigentlich?
Bischof Stecher erzählt in seinem lesenswerten Buch „Werte im Wandel“ von einem Interview mit der Stille. Darin schreibt er von einfachen Dingen, die uns zur Ruhe kommen lassen: ein Spaziergang am Meer, eine Rast auf einem ruhigen Berggipfel oder auf einer Parkbank, ein Sonnenuntergang, das Spazieren im Wald oder das Betrachten einer Blume. Auch beim Besichtigen schöner Räume, beim Betrachten der Kunst und beim Beschäftigen mit Literatur ist eine Tür zur Stille zu finden. Diese Stille lässt erahnen, was hinter der Oberfläche der Dinge, dem Vordergründigen und allen Aufregungen steht.

Ich wünsche Ihnen – trotz  allem – im heurigen Sommer einige Momente dieser Stille und der echten Ruhe!


Handy
Als er in den Urlaub fuhr, gab er auf der Autobahn letzte Anweisungen für den Betrieb während seiner Abwesenheit.
In der Urlaubspension angekommen, läutete ihn der Stellvertreter an.
Täglich holte er sich Situationsberichte vom Betrieb.
Das Rauschen des Meeres vermischte sich mit dem Piepston seines Handys. So vergingen die Tage, er bekam viele Anrufe - aber den Anruf der Stille überhörte er.

" Mit Feuer, Pater!"

„Mit Feuer, Pater!“

In diesen Tagen vor Pfingsten steht Michaelbeuern ganz im Zeichen der Schulpartnerschaft mit Ghana. Trommelklänge, bunte Gewänder und vor allem viele fröhliche Gesichter bereichern unser Kloster und unsere Schule. Die Gastschüler, die sich bei uns sehr wohl fühlen, wirken hier nicht nur im großen Afrika-Musical mit, sondern sind voll ins Schulleben und auch in den Gottesdienst integriert. Als ich unsere ghanaischen Gäste fragte, wie sie ihren Beitrag bei der Sonntagsmesse gestalten werden, antwortete eine von ihnen: „With fire, father!“ - „Mit Feuer, Vater!“ Und davon konnten sich dann auch alle Messbesucher überzeugen. Feuer und Begeisterung lagen im Feiern, in der Begegnung und im lebendigen Austausch der jungen Menschen untereinander auch über den Gottesdienst hinaus.
Feuer ist ein Bild für den Hl. Geistes, weil es ausdrückt, dass der Geist Energie von innen her gibt, Wärme und Licht, die von Gott kommen und unser Leben reich machen. Dieses Feuer der Glaubensbegeisterung lässt zu allen Zeiten die Menschen in der Gemeinschaft der weltweiten Kirche zusammenfinden.
Ein Blick auf die Apostelgeschichte zeigt, dass der Heilige Geist der Antreiber der Entwicklung der jungen Kirche war. Er führte unterschiedliche Völker und Nationen zusammen, lehrte Verständigung und Vertrauen auf einen Vater im Himmel, der für alle Menschen da ist, der heilt, versöhnt und in Frieden und Freundschaft leben lässt. Das mag jetzt alles gar nicht so sensationell klingen, aber wenn es sich konkret ereignet, dann ist es jedes Mal eine tiefe Erfahrung, vielleicht so gar ein Wunder.
Zu allen Zeiten gab es vom Geist erfüllte Christen, die mit innerem Feuer ihren Glauben gelebt und weitergeben haben. Das war auch beim hl. Paulus so, dem heuer ein besonderes Gedenkjahr gewidmet ist. Er war tausende Kilometer unterwegs, um das Evangelium in alle Welt zu tragen und von seiner Christuserfahrung mit Begeisterung Zeugnis zu geben. Nach ihm haben sich Ungezählte darum bemüht. Eine weltweite Kirche ist entstanden, viele Brücken wurden geschlagen und Gemeinsamkeiten möglich. Eine davon ist unser Ghana-Projekt. Vor 14 Jahren hat sie unser P. Prior Paulus initiiert und mit viel Einsatz immer wieder Akzente gesetzt. Briefpartnerschaften, Besuche in Ghana, Gebet füreinander, Spendenaktionen, Schul- und Kapellenbauten, Stipendien und vieles mehr wurden möglich. Vor allem aber sind Freundschaften und ein Miteinander entstanden, auf dem ein Segen liegt. Höhepunkt war nun der Besuch von 14 Schülern und Lehrern anlässlich des Musicalprojektes, bei dem für über 3000 Besucher diese Begeisterung bei allen spürbar war. 
Nachdenklich machte mich nur eine Frage unserer ghanaischen Gäste: „Wo sind bei euch die Kinder im Gottesdienst?“ In Ghana sind die Kirchen voller jungen Leute – wo sind sie bei uns? Wir werden uns alle in Zukunft besonders anstrengen müssen, um Kindern Gott nicht vorzuenthalten, um ihnen genug Raum zu geben. Das geht nur, wenn das Feuer des Geistes in uns brennt und in unseren Gottesdiensten spürbar wird, wenn Lichtblitze dieses Geistes sichtbar werden und die Glut des persönlichen Glaubens wieder angefacht wird.
Pfingsten macht uns bewusst, dass wir über unseren Kirchturm hinausdenken und die weltweite Verbindung leben können. Pfingsten macht uns aber auch bewusst, dass in uns allen das Feuer des Geistes wirkt und unsere eigenen Gottesdienste mit Geist gefeiert werden: d.h. mit Begeisterung. Ob uns das gelingt?

Zum Weiterdenken

Yes, he can!

Yes, he can!

„Yes we can!“ – so lautet eine in letzter Zeit oft strapazierte Phrase, die den Wahlkampf und auch so manche Rede des neuen amerikanischen Präsidenten prägt. Es wird wohl auch richtig sein gerade in einer Zeit der Krise und des Umbruchs sich auf die eigenen Stärken zu besinnen, den Kopf nicht in den Sand zu stecken, Visionen zu haben und etwas für ihre praktische Verwirklichung zu tun.

Und dann gibt es aber Herausforderungen und Fragestellungen, die etwas tiefer gehen und nicht so leicht mit dem Appell an das eigene Können zu beantworten sind. Ob das Ganze wirklich einen Sinn hat, ob es sich lohnt, immer wieder zu beginnen, ob wir dem Leben trotz aller Enttäuschungen und Rückschläge wirklich trauen können, ob es eine Motivation gibt, wenn alle Muntermacherphrasen verbraucht sind …- da stoßen wir bald an die Grenzen eigener Machbarkeit. Das gilt gerade auch dann, wenn wir mit dem Tod konfrontiert sind, mit der Endlichkeit der Welt und unseres eigenen Lebens. Da braucht es eine größere Hoffnung, eine größere Lösung, eine starke innere Motivation.

Zu Ostern wird uns wieder die unglaubliche Botschaft verkündet, dass diese Fragen beantwortet sind, weil einer den Weg der Wandlung, den Weg vom Tod in das Leben gegangen ist. Da gibt es einen, der es wirklich schafft das Leben in Fülle zu leben und eine unzerstörbare Hoffnung zu bringen. In Anlehnung an den aktuellen Sprachgebrauch könnte man das auch so sagen: „Yes, he can – and he did it!“
Die Auferstehung ist eine unglaubliche Hoffnung, eine Perspektive, die aufatmen lässt. Glücklich sind alle, die das glauben dürfen! Sie werden anders leben, Lebendigkeit spüren und weitergeben, eine Hoffnung finden, die unbezahlbar und unmachbar ist.

In diesem Sinne ein gesegnetes Fest des Lebens und ein echtes Vertrauen in Gott, der jedem Leben ein Ja verspricht und das auch halten kann!

Hoffnung
Hoffnung ist nicht dasselbe wie die Freude darüber, dass sich die Dinge gut entwickeln. Sie ist auch nicht die Bereitschaft, in Unternehmen zu investieren, deren Erfolg in naher Zukunft absehbar ist. Hoffnung ist vielmehr die Fähigkeit, für das Gelingen einer Sache zu arbeiten.
Hoffnung ist auch nicht dasselbe wie Optimismus. Sie ist nicht die Überzeugung, dass etwas klappen wird, sondern die Gewissheit, dass etwas seinen guten Sinn hat - egal, wie es am Ende ausgehen wird.
Diese Hoffnung alleine ist es, die uns die Kraft gibt zu leben und immer wieder Neues zu wagen, selbst unter Bedingungen, die uns vollkommen hoffnungslos erscheinen.
Das Leben ist viel zu kostbar, als dass wir es entwerten dürften, indem wir es leer und hohl, ohne Sinn, ohne Liebe und letztlich ohne Hoffnung verstreichen lassen.

Vaclav Havel

 

10 000 Dinge

10 000 Dinge

Auf gut 10.000 Dinge bringt es ein durchschnittlicher Haushalt in unserer westlichen Welt, in der oberen Mittelschicht können es leicht 25.000 Gegenstände werden. So rechnet der bekannte Zukunftsforscher Matthias Horx vor, um dann auf die Folgen hinzuweisen:

-         die Dinge fressen unsere Aufmerksamkeit,

-         sie belasten die Beziehungen

-         und verlangsamen das Leben.

Immer mehr haben zu wollen, das fasziniert und zieht Menschen nicht nur bei Werbesendungen und Gewinnspielen in den Bann. Die Gier nach immer mehr Rendite endet – wie die derzeitige Weltlage zeigt – im globalen Desaster mit starken privaten Folgen.
Wie ist das in den Griff zu bekommen, wie ist hier wieder ein gesundes Maß zu finden?
Bei den Mönchen gibt es dazu ein gute Übung: Am Beginn der Fastenzeit wird Inventur gemacht. Dabei schreiben die einzelnen alle Gegenstände und Werte auf, die ihnen anvertraut sind. Gleichzeitig wird kritisch gesichtet, geordnet und ausgemistet. Platz machen für Neues, Altes gut verwahren oder weitergeben, Unnützes aussondern – das hilft, dass einem die Dinge nicht über den Kopf wachsen, dass Platz für das Wesentliche ist und im guten Maß Raum bleibt für die wesentlichen Beziehungen – zu mir selber, zum Nächsten und zu Gott.
Wer jetzt einmal durch die eigene Wohnung geht, kann es selber ausprobieren:
Da ist ein Erinnerungsgegenstand, der zum Nachdenken einlädt und entstaubt viel besser ausschaut, dort ein altes Buch, das dem Neffen eine Freude machen würde, oder der Pullover, der bei der Caritas wohl besser aufgehoben ist und die alten Zeitungen, die schon lange entsorgt gehören….
Fasten heißt ganz praktisch wieder etwas freier werden, damit die Seele atmen kann.

„Die Menschen lieben und die Dinge benutzen. Falsch wird es erst, wenn es umgekehrt geht.“ (Spruchweisheit)

 

Mit voller Power!

Mit voller Kraft für die Frohbotschaft – so war der hl. Paulus in den Anfangszeiten des Christentums unterwegs. Weltbekannt ist er bis heute - als der Briefeschreiber des Neuen Testaments, als Missionar, als Gemeindegründer und –vernetzer, als Brückenbauer und Übersetzer zwischen Kulturen, Sprachen und Nationen. Und beeindruckende Fakten weiß man von ihm zu berichten: ca. 7800 km legte er zu Fuß zurück, 9000 km per Schiff, um das Evangelium zu verkünden. Dreimal erlitt er Schiffbruch, fünfmal die neununddreißig Hiebe, dreimal wurde er ausgepeitscht, einmal gesteinigt – nichts für schwache Nerven.

Er hat das alles auf sich genommen, weil er erkannte, welche Kraft in der Botschaft Jesu liegt, welche Hoffnung, die Juden und Heiden verbindet, die zugänglich ist für alle Menschen guten Willens. Zeitlebens war er überzeugt, einem neuen Weg entsprechend dem Gott der Väter zu dienen und die Auferstehung für alle zu verkünden (vgl. Apg 24, 14f). Dafür hat er Mühen und Strapazen, Ablehnung und Widerstände, Unverständnis und Unterstellungen ertragen und nicht aufgegeben. Und was der sich getraut hat! - Einen ganz neuen Weg zu gehen, Gesetze zu verstehen und auf das Wesentliche zurückzuführen, die Basics zu formulieren, mutig Entscheidungen zu treffen und Freiheit zuzulassen, wie etwa auf dem Apostelkonzil (vgl. Apg 15). Was wäre aus dem Christentum geworden, wenn damals nur rückwärts geblickt, starr am Wortlaut festgehalten oder Ängstlichkeit über christliche Freiheit gesiegt hätte? Es wäre eine kleine, unbedeutende Gruppe geblieben, die den Geist und den Auftrag Jesu nicht verstanden und weiter getragen hätte.

Woher Paulus seine Kraft hatte, das alles voranzutreiben und auszuhalten?

In seiner Berufung ist ihm aufgegangen, worauf es ankommt: auf die lebendige Erfahrung des Auferstandenen, auf das Licht, das von Gott kommt und auf die Stimme, die jeder/m einen unverwechselbaren Weg weist. Paulus hat den Schritt von der Religion des Befolgens von Gesetzen und Bräuchen, von Denken und Sollen zu dem getan, was Glauben im Innersten ist: Begegnung und Vertrauen. Immer wieder klingt das in seinen Briefen an, was für ihn wesentlich ist: Die Liebe, die in Jesus Christus greifbar wird, die wir erfahren und in Wort und Tat weitergeben.

So schreibt er in Röm 8,38f: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Gewalten der Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.

Und in 1 Kor 13, 1f: Wenn ich in den Sprachen der Menschen und Engel redete, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich dröhnendes Erz oder eine lärmende Pauke. Und wenn ich prophetisch reden könnte und alle Geheimnisse wüsste und alle Erkenntnis hätte; wenn ich alle Glaubenskraft besäße und Berge damit versetzen könnte, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich nichts. … Die Liebe hört niemals auf.

Wer dem Paulus auf die Spur, oder besser mit Paulus auf die Spur echter Lebenskraft kommen will, der braucht ihn nur zu lesen und auf den zu vertrauen, der ihn berufen hat. Denn: volle Power ist auch heute nötig, um zukunftsfähig in der Kirche und für die Welt zu wirken.

Gebet im Paulusjahr

Herr, Vater des Erbarmens
und Gott allen Trostes,
Du hast uns den Apostel Paulus geschenkt.
Durch sein Wort und seine Stimme
hast Du allen Völkern das Geheimnis
Deiner Liebe verkündet:
Dass Dir unseretwegen kein Weg zu weit ist;
Dass Du jeden Menschen
in seinem Menschsein annimmst
und durch die Kraft des Kreuzes
Tag für Tag zum Leben führst.

Weihnachten

„Allen, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden…“ heißt es im Evangelium am Christtag.

Von ganzem Herzen wünsche ich Ihnen, dass Sie diese Botschaft auch am heurigen Weihnachtsfest innerlich erreicht, dass Sie aus dem Vertrauen leben können, zur großen, erlösten Menschheitsfamilie zu gehören, für die der Gottessohn Mensch geworden ist.

Eine weihnachtliche Erfahrung möchte ich Ihnen zum Nachdenken mitgeben, die ich bei Eric Emanuel Schmitt („Mein Leben mit Mozart“) gefunden habe:

Bei einem Weihnachtseinkauf ist der Autor mit kalten Füßen unterwegs, angestrengt und etwas genervt. Im Kopf geht er die Gästeliste durch und fragt sich immer ob er das Richtige gekauft hat, ob er mit dem Vorjahresessen mithalten kann, ob es ihm genauso gut gelingen wird wie den anderen … .

Da geschah es plötzlich: er hört Musik, nicht Berieselung, sondern leise erhebt sich ein immer stärker werdender Gesang. Er dreht sich um, er muss stehen bleiben - und dann steht er da - mit offenem Mund und mit Tränen in den Augen.

Er hört das Ave verum[1] von Mozart. Die alten Gesichter der Sänger, der Hauch der Kälte, die gotische Kathedrale im Hintergrund mit ihren Skulpturen, die Sterne am dunklen Himmel, das alles passt für ihn plötzlich zusammen, Klang und Bild öffnen die Tür für ein ganz andere Dimension, zu der die Melodie ein unsichtbares Band knüpft.

Die sanfte und eindringlich Melodie fordert ihn unerbittlich auf Rede und Antwort zu stehen: Warum feierst du Weihnachten? Warum gibst du soviel Geld aus, warum bildest du dir ein Gutes zu tun? Warum willst du selbstzufrieden den Egoismus des Jahres übertünchen, den Seelenfrieden erkaufen? Und was ist das angesichts der Geburt eines Gottes, der von Liebe spricht, diese Liebe zeigt bis zur Hingabe, der lebt, der ist?

Und er schließt: „Ob Gott existiert noch nicht zu sagen, aber dass der Mensch existiert, wert ist zu existieren, das schon.“

 

Abt Johannes Perkmann OSB

 


[1] Ave, verum corpus, natum de Maria virgine, vere passum, immolatum incruce pro homine,cujus latus perforatum unda fluxit et sanguine; esto nobis praegustatum in mortis examine! Sei gegrüßt, wahrer Leib, geboren von der Jungfrau Maria. Du hast wahrhaft gelitten und wurdest für die Menschheit am Kreuz geopfert. Wasser und Blut floß aus deiner Seite, als man sie durchstach. Sei uns Trost in der Prüfungsstunde des Todes. Nach Johann Scheffler (Angelus Silesius, 1624-1677)

Der Advent der kleinen Schritte

Wohl kaum eine Zeit im Jahreskreis weckt so viel Sehnsucht und ruft so tiefe Erinnerungen wach wie der Advent. Die Botschaft von Gott, der in unsere Welt kommt, der Mensch wird und das Leben bis in die Armut hinein teilt, berührt und inspiriert immer wieder. Dieses Geheimnis verbindet Himmel und Erde und bringt auch die Menschen untereinander zusammen. Und das ist unendlich mehr als die idyllischen Teekannen-Spots und die anderen X-mas Werbungen erzählen, bei denen alle so glücklich und zufrieden scheinen, wenn sie nur die richtigen Dinge anhäufen.

Wer zu Weihnachten das Wesentliche - nämlich Gottes Menschwerdung - feiern will, der braucht eine gute Zeit der Vorbereitung, einen Advent, der wirklich eine Zeit der Einstimmung und Besinnung wird. Und gerade da spüren viele wie schwer es ist Anspruch und Wirklichkeit, Vorsätze und Praxis zusammenzubringen.

In einer Adventpredigt schreibt der hl. Bernhard von Clairvaux dazu etwas Wegweisendes:

„Du, Mensch, brauchst kein Meer zu überqueren, keine Wolken zu durchdringen oder die Alpen zu überschreiten. Du brauchst keinen weiten Weg zu machen, sage ich. Geh deinem Gott entgegen bis zu dir selbst. Denn das Wort ist dir nahe, es ist in deinem Mund und in deinem Herzen.“

Wenn es um Gottes Kommen geht, dann braucht es nicht die außergewöhnlichen Leistungen, die maximalen Erwartungen und Vorsätze, die uns nur überfordern und stressen, sondern die kleinen Schritte.

Das heißt zum Beispiel: Nicht über das Schreiben hunderter Weihnachtskarten zu stöhnen, sondern sich für ein paar persönliche Briefe Zeit zu nehmen. Nicht davon zu reden, wie viele man eigentlich besuchen müsste, sondern vielleicht nur ein paar auszuwählen, besonders die Einsamen und Kranken, die schon lange darauf gewartet haben.

Wenn es um Gottes Kommen geht, dann geht es aber auch um mich selber. Im Advent brauche ich nicht „außer mir zu sein“ oder „aus dem Häusl zu sein“. Im Gegenteil, ich darf bei mir selber zuhause sein. Auch in mein Leben mit seinen Botschaften, Aufträgen, Gefühlen und Gedanken, kommt Gott. Deshalb gibt es keinen Advent ohne dieses Zuhauseseinkönnen bei mir selber,  das Alleinseinkönnen, das Nachdenken und Hören auf die Stille vereint. Sonst rennt man alle möglichen Wege, den entscheidenden verpasst man - den Weg zu Gott, der mir bis in mein Inneres entgegenkommt.

Deshalb: Nicht jammern, dass keine Zeit zur Besinnung bleibt. Eher die „Jammerzeit“ umwidmen in einige Momente der Stille und des Gebetes, etwas bei einem kurzen Halt in einer stillen Kirche. Nicht nur erzählen, wie schön früher die Rorate Messen waren, sondern wenigstens eine mitfeiern.

Wenn es um Gottes Kommen geht, dann geht es schließlich vor allem um sein Wort, das Mensch wird. Die vielen Geschichten, Lieder und Texte, die wir in dieser Zeit hören, sind  inspiriert von der biblischen Grundlage, ja, sie rufen gerade danach, auch im „Original“ nachgeblättert zu werden.

Also: Nicht auf das nächste Illustrierte zu warten, welche die „neuesten“ biblischen Erkenntnisse berichtet (sensationell pünktlich zu Weihnachten), sondern die prophetische Botschaft eines Jesaja oder die Kindheitsgeschichte des Lukas näher zu betrachten. Nicht gleich alles auf einmal samt dicken Kommentaren lesen zu wollen und dann erst recht wegzulegen, sondern einfach die Tageslesungen zu betrachten

Der Advent der kleinen Schritte ist mir wertvoller als der Advent der großen Vorsätze und des schlechten Gewissens. Und wenn es mir nur in einem kleinen Schritt klarer wird, was es heißt, dass Gott nahe ist, bin ich schon auf dem richtigen Weg. Und wenn uns Gott nahe ist - wer könnte dann den Kopf hängen lassen, wer könnte da nicht mit Hoffnung auf das eigene Leben und auf die Welt schauen?

 

Wer mehr als Süßes oder Saures sucht

Mit den oft nebeligen und dunklen Novembertagen geht der Herbst nun langsam seinem Ende entgegen. Das Dunkel dieser Jahreszeit fasziniert und ängstigt zugleich, drückt manchem auch aufs Gemüt.  Fragen an das Ende kommen auf, die sich nicht immer angenehm anfühlen oder leicht auszuhalten sind. Oft genug blödelt sich die Spaßgesellschaft darüber hinweg. Wer im Leben aber Tieferes sucht, als bei ahnungslosen Nachbarn „Süßes oder Saures“ herauszuklingeln, wird die Zeit nützen, um anderen Fragen Raum zu geben. Die könnten etwa so lauten: Wohin geht meine Reise? Was ist wirklich wichtig im Leben? Woran kann ich mich halten?

Und das Kirchenjahr zeigt, wie suchende Menschen eine Antwort finden können. Mit dem Erinnern an die Heiligen - das heißt an gottsuchende und aufrechte Menschen - werden Beispiele gegeben, wie das Leben gelingen kann. Spannende Biographien inspirieren und bereichern den eigenen Glauben, können Orientierungspunkte für das eigene Leben geben und zur Auseinandersetzung anregen.

Denkt man das weiter, so könnte eine Einladung dieser Jahreszeit ganz allgemein lauten: Nimm dir eine gute Lebensbeschreibung einer interessanten Persönlichkeit aus Geschichte oder Gegenwart und lies! Drei Bücher fallen mir da spontan ein: Kardinal Franz König, Gedanken für ein erfülltes Leben, oder Ingrid Betancourt, Meine liebe Maman…, oder Elias Chacour - Israeli, Palästinenser, Christ.

Wer im Leben mehr als „Süßes oder Saures“ sucht, findet in den Heiligen, Gerechten und Aufrechten dieser Welt Beispiele und Haltepunkte, die inspirieren. Gut möglich, dass mit solchen Anregungen diese Zeit heller und auch unser Leben ein Stück heiler wird.

 

 

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