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Auszeit für Vuvuzelas Der Lärm der Vuvuzelas bei der WM in Südafrika ist verstummt und auch in die sonst so beherrschende Betriebsamkeit kehrt in der Ferienzeit wieder ein wenig mehr Ruhe ein. Und das tut wohl allen gut, wenn es auch nicht leicht ist, innerlich wirklich ruhig zu werden und echt abschalten zu können. Jesus und seine Jünger zogen zusammen weiter, und er kam in ein Dorf. Eine Frau namens Marta nahm ihn freundlich auf. Sie hatte eine Schwester, die Maria hieß. Maria setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seinen Worten zu. Diese Stelle wird wohl immer für Kontroversen sorgen und stellt auf den ersten Blick für alle Fleißigen und Umsichtigen eine Provokation dar. Im Kontext wird deutlich, worum es geht: Diese Stelle folgt dem Gleichnis vom barmherzigen Samariter, also der unbedingten Pflicht zur Nächstenliebe ohne Ausrede. Und die oben erzählte Begebenheit sorgt für die richtige Balance, damit nicht Aktivität auf Kosten der Substanz geht, damit wir nicht bei aller lobenswerten Tätigkeit ausbrennen und leer werden. Wenn Ferien gelingen, dann wohl nur, wenn Zeit zum Hören, Zuhören und Lauschen bleibt, wenn die leiseren Töne auch wieder Platz haben, wenn Zwischentöne herausgehört und bedacht werden. In diesem Sinne eine gesegnete Ferienzeit! Ihr
Momo Was die kleine Momo konnte wie kein anderer, das war: Zuhören. (...) Und so wie Momo sich auf's Zuhören verstand, war es ganz und gar einmalig. Momo konnte so zuhören, dass dummen Leuten plötzlich sehr gescheite Gedanken kamen. Nicht etwa, weil sie etwas sagte oder fragte, was den anderen auf solche Gedanken brachte, nein, sie saß nur da und hörte einfach zu, mit aller Aufmerksamkeit und aller Anteilnahme. Dabei schaute sie den anderen tief mit ihren großen, dunklen Augen an, und der Betreffende fühlte, wie in ihm auf einmal Gedanken auftauchten, von denen er nie geahnt hatte, dass sie in ihm steckten. Sie konnte so zuhören, dass ratlose oder unentschlossene Leute auf einmal ganz genau wussten, was sie wollten. Oder dass Schüchterne sich plötzlich frei und mutig fühlten. Oder dass Unglückliche und Bedrückte zuversichtlich und froh wurden. Und wenn jemand meinte, sein Leben sei ganz verfehlt und bedeutungslos und er selbst nur irgendeiner unter Millionen, einer, auf den es überhaupt nicht ankommt und der ebenso schnell ersetzt werden kann wie ein kaputter Topf und er ging hin und erzählte alles das der kleinen Momo, dann wurde ihm, noch während er redete, auf geheimnisvolle Weise klar, dass er sich gründlich irrte, dass es ihn, genauso wie er war, unter allen Menschen nur ein einziges Mal gab und dass er deshalb auf seine besondere Weise für die Welt wichtig war. So konnte Momo zuhören! Michael Ende |
